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Forschungsschwerpunkte


Interdisziplinarität zur Lösung komplexer Probleme


Die RWTH Aachen verfügt über das Know-how hochspezialisierter Experten, die in der Grundlagenforschung ebenso aktiv sind wie in der anwendungsorientierten Forschung. Diese Spezialisierung erschließt einerseits beständig neue Wissensgebiete. Andererseits erweisen sich die Anforderungen an technische Systeme vielfach so komplex, dass nur in fachübergreifender Zusammenarbeit Lösungswege zu erschließen sind. Daraus erwächst vielfach die Notwendigkeit, Forschungsvorhaben jenseits der klassischen Fakultätsgrenzen zu konzipieren und durchzuführen.


Interdisziplinäre Forschung trägt dazu bei, vorhandenes Wissen besser zu vernetzen und neue Lösungsansätze zu erarbeiten. Interdisziplinarität wird zunehmend eine wichtige Voraussetzung für den Markterfolg neuer technischer Entwicklungen. Die RWTH Aachen hat diese Entwicklung nachdrücklich unterstützt. Die Gründung neuer interdisziplinärer Forschungsinstitutionen und -organisationsformen trägt dem Ziel Rechnung, Mensch, Technik und Umwelt unter einem ganzheitlichen Blickwinkel zu betrachten. Gerade aus dem effektiven Zusammenspiel unterschiedlicher Disziplinen erwuchsen in den letzten Jahren innovative Produkt- und Prozesslösungen. Beispiele sind ökologieverträgliche Produktionsverfahren und sozialvertretbare Automatisierungstechniken, der Einsatz sanfter Technologien bei der Stadterneuerung oder der Informatik in der Medizin.

 
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Sonderforschungsbereiche


Komplexe Themen der Grundlagenforschung lassen sich in Sonderforschungsbereichen (SFB) besonders effektiv und ganzheitlich bearbeiten. Dazu werden sie gleichzeitig von Wissenschaftlern mit zum Teil völlig unterschiedlichen Fachrichtungen erforscht. Ein ständiger Austausch von Daten, Erfahrungen, Materialproben und nicht zuletzt auch wissenschaftlichem Personal sorgt dabei für eine überaus enge interdisziplinäre Kooperation der beteiligten Institute. Dadurch erfolgt zudem eine nachhaltige Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in diesen bis zu zwölf Jahren geförderten Projekten.


Außerdem avancieren die Sonderforschungsbereiche zunehmend zu einem wichtigen Kriterium für die Evaluierung von Wissenschaft. Initiiert und finanziert wird das bundesweite Programm durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die turnusmäßig auswärtige Wissenschaftlergruppen zur Beurteilung entsendet. Hierüber werden die Forschungsergebnisse und -ziele der finanziell aufwändigen Projekte kontrolliert und bewertet. In den letzten Jahren gelang es der Hochschule, in nahezu allen Fachbereichen einen oder - wie im Maschinenbau- und Werkstoffbereich - mehrere Sonderforschungsbereiche zu gründen. So beziehen inzwischen 16 solcher langfristigen Großprojekte sowie das erste bundesdeutsche Forschungskolleg an der RWTH Aachen Fördermittel von jährlich fast 20 Millionen Euro. Externe Wissenschaftseinrichtungen wie zum Beispiel das Forschungszentrum Jülich, die Fraunhofer-Institute in Aachen oder das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln sind Partner in einigen Sonderforschungsbereichen. In den insgesamt 120 Teilprojekten der Sonderforschungsbereiche sind derzeit rund 160 wissenschaftliche Mitarbeiter, 60 Nichtwissenschaftler sowie 240 studentische Hilfskräfte aktiv.



Interdisziplinäre Foren


Ein weiteres Beispiel solcher fachübergreifender Strukturen sind die Interdisziplinären Foren, deren Konzept inzwischen eine Reihe von Nachahmern gefunden hat. Ende der 80er Jahre haben sich Professoren aller neun Fakultäten in sechs Interdisziplinären Foren zu den Schwerpunkten, Umwelt, Werkstoffe, Informatik, Life Sciences, Mobilität und Verkehr sowie Technik und Gesellschaft zusammengefunden, um die fachübergreifende Zusammenarbeit innerhalb der Hochschule und mit externen Partnern auszubauen. Etwa jeder zweite Hochschullehrer der RWTH Aachen ist Mitglied eines oder mehrerer Foren. Beispielsweise arbeiten Psychologen und Fahrzeugingenieure gemeinsam an Lösungsstrategien für Verkehrsprobleme oder Elektrotechniker und Mediziner an bildgebenden Verfahren in der ärztlichen Diagnostik. Mit der Anregung und Organisation fachübergreifender Lehrveranstaltungen wirken die Foren auch in der Lehre mit. 
 

  • Das Umwelt-Forum bildet die Plattform für fachübergreifende Aktivitäten in Lehre und Forschung im Bereich der Umweltwissenschaften. Wesentliche Arbeitsgebiete bilden Stoffstrommodellierung, Wasser, Kreislaufwirtschaft und die Beteiligung an der hochschuleigenen Initiative Agenda 21.

  • Das Werkstoff-Forum besteht aus fünf Arbeitsgruppen: Metalle, Glas/Keramik, Polymere, Verbundwerkstoffe/Werkstoffverbunde und elektronische Materialien. Beispiele aktueller Arbeiten sind die Erforschung offenporiger Werkstoffe und deren konstruktive Umsetzung für den Einsatz in umweltfreundlichen und hocheffizienten Kraftwerken der nächsten Generation sowie die Erstellung von Expertensystemen und Simulationsprogrammen für die Werkstoff-, Prozess- und Bauteilmodellierung.
  • Das Forum Informatik ist eine - meist virtuelle - Stätte der Begegnung zwischen den Disziplinen, die sich der Informatik und Informationstechnik widmen. So ist aus dem Forum beispielsweise die Gründung des Virtual Reality Centers Aachen (VRCA) hervorgegangen. Weitere Arbeits- und Diskussionsthemen sind die multimedialen Lehr- und Lernsysteme, die Optimierung von Kommunikationssystemen, die Mensch-Maschine-Interaktion sowie die gesellschaftlichen Implikationen der Informationsgesellschaft.

  • Im Forum Technik und Gesellschaft steht der Meinungs- und Erfahrungsaustausch zwischen Ingenieur- und Naturwissenschaftlern mit den Geistes- und Gesellschaftswissenschaftlern im Mittelpunkt. Schwerpunkte sind Technikgestaltung und -akzeptanz. Die Geschäftsstelle betreut mehrere fachübergreifende Forschungsinitiativen und veranstaltet in zweijährigem Rhythmus interdisziplinäre Kolloquien zu Fragen der gesellschaftlichen Kontakte von Technologieentwicklung und -einsatz.

  • Ziel des Forum Life Sciences ist die Förderung der Zusammenarbeit zwischen Naturwissenschaftlern, Medizinern und Ingenieuren. So begleitet das Forum die Aachener Kompetenzzentren für Medizintechnik (AKM) und für Biowerkstoffe (bwA), das Interdisziplinäre Zentrum für Klinische Forschung (IZKF „BIOMAT.“) sowie das Bionik-Zentrum Aachen und das Helmholtz-Institut für Biomedizinische Technik. Als übergreifende Arbeitsgruppe, die die wissenschaftlichen Aktivitäten in sieben Bereichen der Life Sciences bündelt, wurde der bereits 2000 initiierte Forscherverbund Applied Life Science Aachen (ALSA) 2003 offiziell als Arbeitsgruppe des Forums gegründet.

  • Zur Stärkung und Bündelung aller Kompetenzen und Aktivitäten der Aachener Hochschule im Bereich Mobilität und Verkehr wurde ein gleichnamiges Forum eingerichtet. Der Bereich umfasst alle Arbeitsfelder, die sich auf die humanen, ökologischen, technischen, rechtlichen und organisatorischen Handlungskonzepte und Maßnahmen beziehen. Ziel ist die Gestaltung von lokalen, regionalen, nationalen und globalen Verkehrssystemen. Unter anderem betrifft dies die Felder der Verkehrsinfrastruktur, Fahrzeugtechnik, Fahrzeugbau, aber auch die Organisation, den Betrieb und das Management von Verkehrssystemen. Innerhalb des Forums sollen auch Perspektiven zur Weiterentwicklung des Bereichs Mobilität und Verkehr an der RWTH entwickelt werden.