TU9-Vorschläge zur Verbesserung des zweistufigen Studiensystems
Der Bologna-Prozess beinhaltet für die deutschen Universitäten eine Umstellung des Hoch-schulsystems von historischer Dimension. Die in TU9 vereinten technisch orientierten Universitäten haben diesen Prozess stets als Chance betrachtet, im Rahmen der Weiterentwicklung des europäischen Hochschulraums die Qualität ihrer Studienangebote zu verbessern. Im Folgenden sind Punkte und Forderungen für die „Reform der Reform“ zusammengefasst, die von einem eigens für diesen Zweck eingesetzten TU9-Ausschuss der Vizepräsidenten/Prorektoren für Lehre und Studium erarbeitet wurden. Diese Forderungen sind im Einzelnen:
Eine Bilanz von TU9 und ARGE TU/TH
Prof. Dr. Horst Hippler, Präsident TU9, Sprecher der ARGE TU/TH und Rektor der Universität Karlsruhe (TH): "Die Bologna-Reform hat viele positive Impulse gesetzt, teilweise aber auch erhebliche neue Probleme erzeugt. In vielen Bereichen muss sie noch besser umgesetzt werden. Nachdem zentrale Ziele bislang noch nicht erreicht werden konnten, kommt es nun darauf an, nicht auf halber Strecke stehen zu bleiben. Die Mitglieder von ARGE TU/TH und TU9 fordern daher nachdrücklich, dass der 'Bologna-Prozess' zielgerichtet und effektiv fortgesetzt wird."
TU9 verabschiedet zuammen mit anderen Verbänden vor der Bologna-Folgekonferenz in Leuven eine gemeinsame Erklärung
TU9 verabschiedet am 22.04.2009 zusammen mit anderen natur- und ingenieurwissenschaftlichen Verbänden eine gemeinsame Erklärung zur Bedeutung der Promotion in den Ingenieur- und Naturwissenschaften in Deutschland und unterstreicht die Bedeutung der Promotion als erste Phase eigenständiger wissenschaftlicher Berufstätigkeit.
TU9 begrüßt deutliche Steigerungsraten bei Promotionen von FH-Absolventen
Die meisten erfolgreichen Promotionen wurden in den Naturwissenschaften abgeschlossen (108; +170%). In den Ingenieurwissenschaften wurden 103 (+63%) Promotionen erfolgreich abgeschlossen. Besonders an den Technischen Universitäten werden viele Fachhochschul-Absolventen promoviert: Im Zeitraum 2002/2003-2005/2006 wurden 1.043 FH-Absolventen zur Promotion zugelassen, 403 schlossen ihre Promotion in diesem Zeitraum ab.
TU9 lehnt Promotionsrecht für außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Fachhochschulen ab
In Deutschland finden in den Ingenieurwissenschaften rund zwei Drittel aller Promotionen an TU9 Universitäten statt (Statistisches Bundesamt, 2005). TU9 hat folglich ein großes Interesse daran, dass die hohe Qualität sowie das weltweite Ansehen der deutschen Ingenieur-Promotion geschützt werden. Die Forderungen, das Promotionsrecht auch den außeruniversitären Forschungs- einrichtungen bzw. den Fachhochschulen zu verleihen, lehnt TU9 entschieden ab.
Der Bachelor ist die Drehscheibe, der Master das Ziel
In der universitären Ingenieurausbildung kann der Bachelor nicht das Qualifikationsprofil eines Ingenieurs erfüllen, sechs oder auch sieben Semester reichen zur Bewältigung des Stoffes und zum Aufbau von Forschungskompetenz nicht aus. Deshalb ist der Ingenieurabschluss der Universitäten der Master. Mehr zu den TU9 Grundsätzen der universitären Ingenieurausbildung im zweizyklischen Studiensystem.
TU9 gegen Verschulung der Promotion
TU9 wendete sich bereits lange vor der Bologna-Folgekonferenz in London (Mai 2007) gegen europäische Pläne, die Erlangung des Doktor-Ingenieurgrades (Promotion) curricular, also per Stundenplan zu regeln und die Promotion dadurch zu „verschulen“. Die Promotion muss weiterhin das Ergebnis wissenschaftlicher Forschungstätigkeit bleiben.
Für Qualität und Vielfalt in der deutschen Hochschullandschaft
TU9 begrüßt den wachsenden Wettbewerb im europäischen Hochschulraum und versteht ihn als Auftrag zu mehr Qualität. Wettbewerb bedeutet, dass die Technischen Universitäten ihr Profil kontinuierlich schärfen müssen. Daraus folgt die Erkenntnis, dass die Funktion der Technischen Universitäten sich von jener der Fachhochschulen grundsätzlich unterscheiden muss.
Akkreditierung soll Qualitätsmanagement überprüfen, Universitäten wollen Qualifikationsprofile selbst bestimmen
Effizienzsteigerung durch Netzwerkbildung
Die Vizepräsidenten und Prorektoren für Forschung von TU9 German Institutes of Technology haben sich in Braunschweig über eine engere Zusammenarbeit verständigt. Ein Themenschwerpunkte: Nachhaltige Wasserwirtschaft. Erstes Ergebnis ist ein gemeinsames Memorandum of Understanding und die Forderung an die Politik, die Forschungsförderung um zehn Millionen Euro p.a. zu erhöhen.
Der Gewinnung qualifizierten Personals kommt höchste Bedeutung zu
Aus dem ingenieur- und naturwissenschaftlich geprägten Profil der TU9 ergeben sich dringende Veränderungsnotwendigkeiten der Personalstrukturen. TU9 hat Forderungen formuliert, denen in manchen Bundesländern zum Teil bereits entsprochen ist, die aber in ihrer Gesamtheit Leitlinie für die künftige Entwicklung an Technischen Universitäten sein sollten.