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Press Review

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Press Release 000/2009

ARGE TU/TH und TU9: Kooperative Promotionen zwischen Universitäten und Fachhochschulen weiter ausbauen

Die Mitglieder der ARGE TU/TH haben auf ihrer Sitzung am 21.04.2009 an der RWTH Aachen eine Stellungnahme verabschiedet

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Technischer Universitäten/Technischer Hochschulen (ARGE TU/TH) begrüßen gemeinsam mit TU9 die Entwicklungen der letzten Jahre, wonach deutliche Steigerungsraten bei Promotionen von FH-Absolventen festgestellt werden können.

 

Die Zahl der zur Promotion zugelassenen Diplom-Fachhochschul-Absolventen 2005/2006 ist im Vergleich zum vorherigen Erhebungszeitraum 2002/2003 um 27% gestiegen. In den Ingenieurwissenschaften wurden die meisten (322; das sind 31%) aller Kandidaten zugelassen, dies bedeutet ein Plus von 28% zum letzten Erhebungszeitraum, dicht gefolgt von den Naturwissenschaften mit 263 (25%) Kandidaten und einem Plus von 36% zum letzten Erhebungszeitraum.

 

Die Anzahl der von Fachhochschulabsolventen abgeschlossenen Promotionen wächst ebenfalls kontinuierlich. Im Zeitraum 2002/2003 bis 2005/2006 wurden 403 Diplom-Fachhochschulabsolventen promoviert; das entspricht einer Steigerung um 83% gegenüber dem letzten Erhebungszeitraum 1999/2000-2002/2003.
Die meisten erfolgreichen Promotionen wurden in den Naturwissenschaften abgeschlossen (108; +170%). In den Ingenieurwissenschaften wurden 103 (+63%) Promotionen erfolgreich abgeschlossen.

 

Besonders an den Technischen Universitäten werden viele Fachhochschul-Absolventen promoviert: Im Zeitraum 2002/2003-2005/2006 wurden 1.043 FH-Absolventen zur Promotion zugelassen, 403 schlossen ihre Promotion in diesem Zeitraum ab. Zum Vergleich: Im Prüfungsjahr 2004 wurden an allen deutschen Universitäten 23.128 Promotionen abgelegt (Uni- und FH-Absolventen sowie Ausländer).

 

Sollte den Fachhochschulen also das Promotionsrecht verliehen werden, um ihren Absolventen einen besseren Zugang zur Promotion zu ermöglichen?

 

Dazu besteht keine Notwendigkeit. Die Zahlen beweisen, dass das System durchlässig ist.

 

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Technischer Universitäten/ Technischer Hochschulen (ARGE TU/TH) setzen sich vielmehr das Ziel, kooperative Promotionen zwischen Universitäten und Fachhochschulen weiter auszubauen und so bessere Bedingungen für die Absolventen von Fachhochschulen zu schaffen. DFG-Graduiertenkollegs sind ein geeignetes Instrument dafür. Hier wird die Exzellenz der Promotion mit der Begutachtung durch die DFG gesichert.

 

Diese Stellungnahme haben die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Technischer Universitäten/Technischer Hochschulen (ARGE TU/TH) auf ihrer Sitzung am 21.04.2009 an der RWTH Aachen verabschiedet.

 

++ Hintergrundinformation zur Promotion von FH-Absolventen ++

 

Seit einer Weile wird in der deutschen Hochschullandschaft die Frage diskutiert, ob den Fachhochschulen das Promotionsrecht verliehen werden soll. Die Hochschulrektorenkonferenz beobachtet seit einigen Jahren die Zahl der Promotionen von Fachhochschulabsolventen an Universitäten und hat ein Papier hierzu veröffentlicht (Ungewöhnliche Wege zur Promotion? Rahmenbedingungen und Praxis der Promotion von Fachhochschul- und Bachelor-Absolventen. Beiträge zur Hochschulpolitik 3/2007, hg. von der Hochschulrektorenkonferenz). Anhand dieses Papiers lassen sich folgende Fakten und Tendenzen festmachen:

 

-Alle Bundesländer sehen in ihren Hochschulgesetzen die grundsätzliche Zugangsmöglichkeit von Fachhochschulabsolventen zur Promotion vor. In der Hälfte der Länder ist allerdings die Zulassung von Fachhochschulabsolventen an die Erbringung zusätzlicher Studien- und Prüfungsleistungen gekoppelt.

 

-In den meisten (11) Hochschulgesetzen wird ausdrücklich das sog. "Kooperative Promotionsverfahren" gefördert, d.h. das FH-Professoren an der Betreuung der Dissertation beteiligt sind, zum Beispiel als Gutachter oder Prüfer.

 

-Sowohl der Wissenschaftsrat als auch die Hochschulrektorenkonferenz befürworten ausdrücklich die Promotion von Fachhochschulabsolventen und fordern und fördern eine weitere Durchlässigkeit vom Fachhochschulstudium zur Promotion.

 

-Die Ausgestaltung der Promotionsordnung ist Universitätssache, so dass die Universitäten für die Feinheiten zuständig sind: 90% der Promotionsordnungen in der Fächergruppe Ingenieurwissenschaften sehen eine direkte Zulassung von Fachhochschulabsolventen zur Promotion vor. Bei den Naturwissenschaften sind es 88%; diese beiden Fächergruppen stellen damit die höchsten Anteile. (Die Zulassung zur Promotion setzt eine entsprechende (besondere) Befähigung der Fachhochschulabsolventen voraus, die durch die Abschlussnote und ggflls. das Absolvieren eines sog. Eignungsfeststellungsverfahren nachgewiesen werden muss).
Zu den Promotionsmöglichkeiten von Fachhochschulabsolventen meint die Verantwortliche der Website www.promotion-fh.de, Frau Prof. Dr. Sibylle Brunner von der Fachhochschule Neu-Ulm:

 

"Das Hochschulrahmengesetz (HRG §18, Abs.2, Satz 1) überläßt die Regelung der Zulassung von Fachhochschulabsolventen zur Promotion dem Landesrecht. Alle 16 Ländergesetze sehen vor, daß die Promotionsordnungen der Universitäten besonders befähigte Fachhochschulabsolventen zur Promotion zulassen KÖNNEN. In 13 Bundesländern sind die Universitäten durch die Ländergesetze sogar dazu verpflichtet. Ausnahmen sind nur Bayern, Bremen und Rheinland-Pfalz. Allerdings wurde diese gesetzliche Vorgabe noch nicht überall in den Promotionsordnungen tatsächlich umgesetzt. Im Großen und Ganzen jedoch sind die Zugangsmöglichkeiten für Fachhochschulabsolventen zum Promotionsstudium an Universitäten aus rechtlicher Sicht gut." Quelle: www.promotion-fh.de

 

Die Entwicklungen der letzten Jahre sind allgemein erfreulich und weisen zum Teil deutliche Steigerungsraten bei Promotionen von FH-Absolventen auf. Es kann allerdings nicht verneint werden, dass der Anteil von FH-Absolventen unter den Promovierenden äußerst gering bleibt.

 

-Die Zahl der zur Promotion zugelassenen Diplom-Fachhochschul-Absolventen 2005/2006 ist im Vergleich zum vorherigen Erhebungszeitraum 2002/2003 um 27% gestiegen. In den Ingenieurwissenschaften wurden die meisten (322; das sind 31%) aller Kandidaten zugelassen, dies bedeutet ein Plus von 28% zum letzten Erhebungszeitraum, dicht gefolgt von den Naturwissenschaften mit 263 (25%) Kandidaten und einem Plus von 36% zum letzten Erhebungszeitraum.

 

-Die Anzahl der von Fachhochschulabsolventen abgeschlossenen Promotionen wächst ebenfalls kontinuierlich. Im Zeitraum 2002/2003 bis 2005/2006 wurden 403 Diplom-Fachhochschulabsolventen promoviert; das entspricht einer Steigerung um 83% gegenüber dem letzten Erhebungszeitraum 1999/2000-2002/2003.

 

-Die meisten erfolgreichen Promotionen wurden in den Naturwissenschaften abgeschlossen (108; +170%). In den Ingenieurwissenschaften wurden 103 (+63%) Promotionen erfolgreich abgeschlossen.

 

-Besonders an den Technischen Universitäten werden viele Fachhochschul-Absolventen promoviert. Am häufigsten promovierten FH-Absolventen an der TU Berlin (27), dicht gefolgt von der TU Dresden (24) . An dritter Stelle folgt die TU Berg-Akademie Freiberg (19) und an vierter Stelle die TU München (18).

 

-Allerdings ist die Anzahl der Promotionen von FH-Absolventen angesichts des Ingenieurmangels in Deutschland immer noch zu gering. Im Zeitraum 2002/2003-2005/2006 wurden 1.043 FH-Absolventen zur Promotion zugelassen, 403 schlossen ihre Promotion in diesem Zeitraum ab. Im Vergleich: Im Prüfungsjahr 2004 wurden an allen deutschen Universitäten 23.128 Promotionen abgelegt (Uni- und FH-Absolventen sowie Ausländer).

 

-Zur weiteren Verdeutlichung dieses Sachverhalts: An der TU Berlin wurden im Jahr 2004 416 Promotionen abgelegt, im Zeitraum 2002/2003-2005/2006 schlossen 27 FH- Absolventen ihre Promotion ab. An der TU Dresden gab es 2004 404 Promotionen, in dem Zeitraum 2002/2003-2005/2006 24 Promotionen von FH-Absolventen. Und an der TU München wurden 2004 684 Promotionen abgelegt; im Zeitraum 2002/2003-2005/2006 18 Promotionen von FH-Absolventen. Alle drei gehören zu den Universitäten mit den meisten Promotionen von FH-Absolventen. Es wird also deutlich, dass ihr Anteil noch zu klein ist.
Sollte den Fachhochschulen also das Promotionsrecht verliehen werden, um ihren Absolventen einen besseren Zugang zum Doktortitel zu ermöglichen?

 

Dazu besteht keine Notwendigkeit. Die Zahlen beweisen, dass das System durchlässig ist.

 

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Technischer Universitäten/Technischer Hochschulen (ARGE TU/TH) setzen sich vielmehr das Ziel, kooperative Promotionen zwischen Universitäten und Fachhochschulen weiter auszubauen und so bessere Bedingungen für die Absolventen von Fachhochschulen zu schaffen. DFG-Graduiertenkollegs sind ein geeignetes Instrument dafür. Hier wird die Exzellenz der Promotion mit der Begutachtung durch die DFG gesichert.

 

Im Zusammenhang mit der oben genannten Untersuchung der HRK ist auch eine Studie des HIS von Interesse. In dem kürzlich erschienen Projektbericht "Die Entwicklung der Studienabbruchquote an den deutschen Hochschulen" von Ulrich Heublein, Robert Schmelzer und Dieter Sommer weisen die Autoren auf die signifikant gestiegenen Abbruchszahlen an Fachhochschulen hin. In den Ingenieurwissenschaften hat sich die Abbrecherquote um 5% auf 26% erhöht. Dabei sind vor allem die Abbrecherquoten in den Fächern Maschinenbau (32%) und Elektrotechnik (36%) stark angestiegen. Die Autoren vermuten zum einen die erhöhten Leistungsanforderungen in den Ingenieurwissenschaften als Grund. Statt einer "Entschlackung des Studiums" scheint es bei der Umstellung auf den Bachelor durch die Verkürzung der Studienzeit noch zu einer Verdichtung des ohnehin schon anspruchsvollen Stoffs gekommen zu sein. Außerdem sehen die Autoren sozioökonomische Gründe:

 

"Zum anderen aber bewerben sich für die betreffenden Studiengänge an den Fachhochschulen besonders häufig Studienberechtigte aus bildungsfernen und einkommensschwächeren Elternhäusern. Sie fühlen sich zur Finanzierung ihres Studiums meistens auf Erwerbstätigkeit mit angewiesen. Eine subjektive Einschätzung, die durch ein höheres Einstiegsalter und vorausgehende Berufstätigkeiten mit entsprechenden Einkommen noch gefördert wird. Nicht wenige haben eine Berufsausbildung abgeschlossen. [...] Studierende, die nicht auf das Jobben verzichten können, werden so schnell Probleme haben, die Anforderungen des Studiums mit denen der Erwerbstätigkeit zu vereinbaren. Das Ausweichen in den gelernten Beruf oder in die vor Studienaufnahme ausgeübte Berufstätigkeit könnte da als eine lohnenswerte Alternative zum Studium erscheinen."

 

Eine detaillierte Studie zu den Motiven oder Problemlagen der Studienabbrecher soll im Laufe des Jahres 2009 vorliegen. Bis dahin müssen also diese Überlegungen genügen. Jedoch weisen diese Zahlen und die ihnen zugeschriebenen Hintergründe in Bezug auf die Promotionsthematik schon in eine gewisse Richtung. Die Motivation für ein Fachhochschulstudium liegt im Gegensatz zu einem Universitätsstudium darin, eine praktische, berufsnahe und sich möglichst schnell rentierende Ausbildung zu erhalten. Bei besondere Befähigung oder Neigung sollte natürlich auch für Fachhochschulabsolventen die Möglichkeit zur Promotion und damit der Eintritt in die Forschung gewährleistet sein. Es ist allerdings fraglich, ob Fachhochschulstudenten als allgemeine Klientel daran wirklich interessiert sind oder ob dies eher im Sinne der Fachhochschulleitung ist.

22.04.2009